Schon 1970 hat Brandts Kniefall in Deutschland nicht nur eitel Freude hervorgerufen. Die CDU stand dieser Aktion sehr reserviert gegenüber und bei den Verbänden der deutschen Ostflüchtlinge/Heimatvertriebenen war die Ablehnung – verständlicherweise – ebenfalls sehr groß.

Dass dieser Kniefall die Folge einer plötzlichen Eingebung war, wird heute von etlichen Historikern stark bezweifelt. Eher hat es den Anschein, dass hier einiges nach Plan ablief, um der Weltöffentlichkeit zu demonstrieren, dass Deutschland seine Alleinschuld an allen Gräueltaten, die sich während des Krieges ereigneten, eingesteht.

Was auch immer den Kniefall ausgelöst hat, er wird für die nächste Jahrhunderte als das Alleinstellungsmerkmal eines zutiefst unterwürfigen Staatsmannes herhalten müssen. Ob das alles irgendeinen positiven Effekt hatte, wird sehr unterschiedlich bewertet. Auf jeden Fall hat sich Brandt mit seinem Kniefall für alle Zeit einen Platz in den Geschichtsbüchern gesichert.

RND > 50 Jahre nach Brandts Kniefall – Deutschland und Polen im Stresstest